Mischtechnik, 68 x 88 cm
„Infini“ wurde erstmalig in der Akademie anlässlich des Forums der Europäischen Kalligrafie (Ausstellung „Links“; Englisch im Sinne von: Verbindungen) 2011 ausgestellt. Dass dieses Werk von einem Kalligrafen stammt, lässt sich unschwer an den verschiedenen, meisterlich verwendeten Schriften ablesen. Infini, also „Unendlich“, heißt dieses Werk, das drei verschiedene Schriftarten sowie christliche, römische und sumerische Bezüge aufweist. Wer genau hinsieht, erkennt für das christliche Element den Nagel, der durch das Handgelenk geht, ebenso wie das fließende Blut. Garcia stellt die Kreuzigungsszene dar, und mit der Unendlichkeit eines der Attribute Gottes: Gott ist unendlich, die Schöpfung – der Mensch – hingegen endlich. Dabei stellt Garcia ein religiöses Motiv in Zusammenhang mit Kalligrafie und seinen Hintergrund als Bergarbeiter (hier: durch die Farbgebung).
Das lateinische Hauptzitat auf dem Bild ist ein Auszug aus dem 2. Buch "Übergang zum Kosmischen" aus "De rerum natura" des römischen Dichters und Philosophen Lukrez (Titus Lucretius Carus). Lukrez lebte im 1. Jahrhundert v. Chr. und philosophierte bereits damals über die Unendlichkeit sowohl der Welt/des Universums als auch der menschlichen Wissbegierde. "Da unendlich der Raum ist außer den Mauern der Welt, (…) es ist in dem All, wie gesagt, kein Ende der Dinge." "Es suchet der denkende Geist (…), was weiter noch möchte daselbst sein, das mit dem Sinn des Gemüts erreichen er könne." (deutsche Fassung nach Max Seidel).
Garcia stellt in "Infini" drei Schiften vor: Die lateinische in verschiedenen Varianten dominiert das Bild. Hinzu kommen Sütterlin (eine deutsche Schreibschrift, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts verwendet wurde) und Keilschrift. Für seine Kollagen benutzt er Materialien, die er auf Flohmärkten findet – hiervon zeugen beispielsweise die verwendeten handschriftlichen Briefe in Sütterlin. In dem Oval hinter dem Arm sind feine Einkerbungen zu sehen, die der Fachmann als Keilschrift identifiziert. Die sumerische Keilschrift ist neben den ägyptischen Hieroglyphen die älteste heute bekannte Schrift der Welt und wurde zwischen 3.300 v. Chr. und mindestens 100 n. Chr. zur Verschriftlichung mehrerer Sprachen im Vorderen Orient genutzt.  
Vitoriano „Vito" Garcia (*1956 in Forbach, Frankreich) benutzt für seine Arbeiten häufig Eisen, was sich auch in diesem Werk widerspiegelt (das benutzte Holz und der Hintergrund sehen farblich wie rostiges Eisen aus). Ein weiteres Kennzeichen seiner Kalligrafie-Arbeiten ist die Dreidimensionalität: Hier tritt der Arm plastisch aus dem Werk hervor, während die Keilschrift authentisch in das Bild eingeritzt ist.
Vito Garcia lebt und arbeitet im lothringischen Rouhling. Er ist ein ehemaliger Bergarbeiter, Autodidakt und widmet sich heute ganz der Kalligrafie. Er gibt Kurse, leitet Workshops und nimmt an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teil. Dabei thematisiert er hauptsächlich den Aufstieg und Niedergang der Bergbauindustrie in seiner Heimat Lothringen.